Neffe Tom – Vol.32 „Lehrerferien verkürzen“

Neffe Tom – Vol.32 „Lehrerferien verkürzen“

 

Irgendwie greifen die Zahnräder und Ausgleichsmechanismen der Welt immer wieder ineinander, oder wie Neffe Tom mit fernöstlicher Weisheit formuliert: „Für jeden Mikrokosmos existiert ein gesellschaftliches Yin und Yang.“ Mit dieser nicht auf den ersten Blick zu durchschauende Aussage meint Tom, dass jeder Pol sich automatisch seinen Gegenpol sucht, jedes Ausschlagen des Pendels in eine Richtung, logischerweise das Ausschlagen in die andere Richtung bedingt.

 

Als Mensch der Praxis führt Tom bildliche Beispiele aus dem Alltag an: Der Adel besteht in der Regel aus zwei Linien, die eine meistverarmt, die andere degeneriert.

 

Dolly Buster bei den Dancing Stars rausgeflogen, ergo kann Niki Lauder wieder beruhigt schlafen.

 

Der früher auf jede Promi-Party eingeladene Ex-Finanzminister KHG wird heute nur noch vor den Untersuchungsausschuss geladen, folglich strahlt sein geehelichter Schmuckstein Fiona nur noch in trister Stube, reduziert somit ihre glitzernde Peinlichkeit auf die eigenen vier Wände.

 

Und weil der Krug solange zum Brunnen geht, bis er bricht, musste nach Toms bescheidener Meinung endlich einmal der Vorschlag zur Verkürzung der Lehrerferien aus berufenem politischen Munde kommen. Klaro für Tom, dass die Lehrergewerkschaft diesen Vorschlag der Salzburger Landeshauptfrau als populistisch abtat, aber jetzt hieße es am Ball bleiben, soll im Klartext bedeuten, Alternativen für künftige Tätigkeiten der Lehrerschaft sind von Nöten. Tom sucht nach Aufgaben, die den Talenten der Pädagogen gerecht werden, so kam Tom auf Anhieb die Profession des Parkwächters in den Sinn. Visionär denkt Tom an einen mit Geldpreisen dotierten Ideenwettbewerb für die breite Öffentlichkeit. „Sie müssen ja nicht gleich im Bergwerk arbeiten!“ Tom lacht mich entwaffnend an. „Eine Berufsgruppe an den Pranger und somit kann die hohe Politik von ihren Problemen mit der Korruption ablenken.“ Sagt Tom, und gibt unumwunden zu, dass der Schlag in Richtung Lehrer bei ihm große Schadenfreude auslöse, erzählt mir von abstrusen Freizeitbeschäftigungen manchen Lehrers, rückt den bekanntgewordenen Fall des Volksschuldirektors ins düstre Licht, der mit Leidenschaft jahrelang Grabschleifen gesammelt hatte, die noch dazu ohne Erlaubnis der Verstorbenen entwendet wurden.

 

Zurzeit drücken sich in Toms Schule jede Menge Psychologen gegenseitig die Klinke in die Hand, der Grund heißt Amoklauf-Prävention. Mit einer gehörigen Portion Zynismus spricht sich Tom gegen dieses Theater aus, denn laut ihm existieren genug Lehrer die jeden Tag Amok laufen würden. Noch dazu in einem die Marathondistanz übersteigenden Ausmaß. Tom sagt: „Nicht dass der Eindruck entsteht, ich bin negativ gegen das Lehrpersonal eingestellt, aber leider hab‘ ich in meiner Schülerlaufbahn oftmalig mit ansehen müssen, wie Mitschüler nur aufgrund pädagogischer Inkompetenz oder purer Böswilligkeit gescheiter sind.“

 

Gleich einem Wahrsager der aus dem Kaffeesud liest, blickt Tom versonnen in seine Tasse, hebt zum Sprechen an, die Pause zieht sich ins Unendliche, sagt schließlich leise: „Auch ich möchte‘ mich bessern, möchte die Welt ein klein wenig besser machen. Egal, was man tut, nicht auf Kosten anderer.“

Und er wäre nicht der unverbesserliche Tom, wenn er nicht eins drauf gesetzt hätte: „Ausgenommen die Vollpfosten, denen werde ich Gas geben!“, und gleich erzählt er mir von seinem Disput mit dem örtlichen Jagdaufseher am Stammtisch, wo Tom unter Beifallsgeklatsche die Äußerung zum Besten gegeben: ein Dorf ohne Jäger ist wie ein Zirkus ohne Affen!

Wow“, schwärmt Tom, „du hättest diesen Geistesblitz sehen sollen, der Mann bekannt für ausreichende Flüssigkeitszufuhr, bei dieser Bemerkung ist ihm jedoch das halbe Gesichtsfeld ausgetrocknet!“