Der Anblick von strammen Fußballerwaden samt dazugehörigen Luxuskörpern bei der Fußball-Euro manifestierte bei Neffe Tom zwei ganz spezielle Wünsche: erstens der Traum von einem gestählten Körper und, ein Tattoo musste her. Sein ihm sehr nahestehender Freund, der Boxer Ritschie, versuchte schon seit geraumer Zeit, Tom für beide Ziele zu begeistern. Bisher waren aber dessen Bemühungen immer erfolglos geblieben. Sofort in Angriff genommen wurde das Tattoo. Rasch fand sich ein Tattoostudio mit untadeligem Ruf, ein extravagantes Motiv ebenso. Mehrere Sitzungen standen an, die erste überwand Tom mit zusammengepressten Zähnen und unter dem Beistand Rischies, der sich ebenfalls der Nadel ergab. Schönheit muss bekanntlich leiden, und der Volksmund spricht ja davon, dass geteilter Schmerz halbiert.
Rechtzeitig zum 18. Geburtstag von Tom hätte das Kunstwerk beendet sein sollen, der letzte Termin fixiert, doch der Tattookünstler verweigerte, gab nur bekannt, ihm wären derzeit die Temperaturen zu sommerlich, man sähe im Herbst weiter. Tom als auch Ritschie müssen derzeit mit unvollendeten Tattoos durch das sommerliche Leben laufen, ergeben sich tapfer der Häme ihrer Freunde, mitunter nicht ganz frei von Aggression, träumten sie doch beide in klarer Vollmondnacht davon, dass sie nächtlich mit einem Baseballschläger bewaffnet die Handschlagqualität ihres Peinigers wieder auffrischten. Dieser sehr klare Traum benötigt sicherlich keine spezielle psychologische Deutung nach Freud.
Um Waschbrettbauch und Muskeln zu erlangen, schrieb sich Tom in einem Fitnessstudio ein, und dies alleine hätte Freundin Manuela ja befürwortet, die erst dieswöchig dem Krankenhausbett entflohen, ihres verbrannten Gesäßes wegen. Aber dass das Studio den Athletinnen des Damen-Polizeisportvereins zugehörig, ließ sie kochen. Noch dazu bevölkern die ausgesprochen hübschen Polizeidamen neuerdings einen Stammtisch in Toms Schirmbar und himmeln ihn mit Augen und sonstigem weiblichen Beiwerk schamlos an.
Tom selbst nützt jede erdenkliche Methode um die Laune seines Publikums, und damit einhergehend seinen Umsatz, zu steigern. Seine neue Servierhose, eine enge weiße Jean, mit aufgenähten schwarzen Händen am Hinterteil samt dem Text: „Greif zu“, animiert das überwiegend weibliche Publikum nicht nur zu Drinks. Als die in luftigem sommerlichen Zivilgewand erschienenen Polizistinnen der Aufforderung nur allzu gerne nachkamen und Toms Knackarsch tätschelten, explodierte Manuela und schüttete impulsiv und ungalant ein Glas Champagner über eine der Ordnungshüterinnen. Wie so oft im Leben traf es die falsche. Diese, eher dem weiblichen Geschlecht zugetan, wollte mit ihren Händen Versöhnung bewirken und tätigte einen flotten Klaps auf den Hintern von Manuela, konnte nicht wissen, dass gerade dies der zentrale Punkt von Manuelas Schmerzen war.
Zum Abtransport von Manuela wurden zwar keine Handschellen benötigt, die Sanität genügte wieder einmal, die Wunde war aufgebrochen, Manuela kehrte ins Spital zurück, der Abend gerettet.
Aufgrund der aktionsreichen Geschehnisse im eigenen Umfeld lenkte Tom diese Woche seinen Fokus weniger auf politische und gesellschaftliche Ereignisse, nur der Umstand, dass gerade die blonde Stimme von Hansi Hinterseer Werbung für das Salzkammergut machen darf, stieß ihm sauer auf, und den selbstdarstellerischen peinlichen Auftritt von Frank Stronach in der ZIB2 kommentierte er mit den Worten: „Ich wüsste einen Namen für die neue Partei von Stronach, samt dem dazugehörigen Party-Drink, STROH 80!“
Der im Krankenhausbett schmorenden Manuela erklärte Tom, mit einem Strauß Rosen in den Händen, den Spruch auf seiner Hose mit kommunikativem Feingefühl: „Absichtlich zweideutig, aber grundsätzlich soll das GREIF ZU ein Hinweis auf die steigende Korruption sein….!“
Manuela antwortet äußerst knapp: „Wenn Blicke töten könnten, wäre ich Serienkiller!“